VLOG #04 Erklärung der 50+1 Regel im Fußball

50 + 1 Regel

Herzlich willkommen zu einem weiteren Video meines Blogs „Steuerliche Themen leicht und verständlich erklärt. Heute habe ein Thema ausgesucht, was generell weniger mit Steuern zu tun hat, dafür mehr mit Finanzen allgemein und vor allem auch den einen oder anderen von Euch interessieren könnte, da viele von euch sicher Fußballfan sind. Und zwar geht es mir heute um die sog. Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Verein und die 50+1 Regelung. Da geht es mir nicht um steuerliche Aspekte, sondern darum, diese Sache mal ganz einfach und grob zu erklären, weil sicherlich einige von Euch diese ganz Materie noch nicht so richtig verstanden haben. Die Teams in Deutschland gehörten früher zu ganz normalen Sportvereinen, wie es sie in Deutschland zu Tausenden gibt. Das Sagen in diesen Vereinen hatten die jeweiligen Mitglieder, die den Vorstand bestimmten und somit unmittelbaren Einfluss auf die Geschicke des Vereins besaßen. Erst in den späten 90er Jahren änderte der DFB auf Drängen mehrerer Vereinsbosse seine Statuten. Seither ist es möglich, die Fußballmannschaften der deutschen Profiligen in Wirtschaftsunternehmen umzuwandeln durch die Ausgliederung der Profimannschaften in eine Kapitalgesellschaft. Warum gliedern Vereine überhaupt ihre Profi-Abteilungen aus? Da geht es um die Gemeinnützigkeit. Jeder Sportverein ist gemeinnützig (da er den Leuten anbietet sich da sportlich zu betätigen). Und diese Gemeinnützigkeit hat den Vorteil, dass kaum Steuern gezahlt werden müssen. Aber Profivereine sind normalerweise schon lange nicht mehr gemeinnützig. Und nun haben viele Angst, dass sich irgendwann mal ein Politiker traut, diese Gemeinnützigkeit für Profivereine aufzuheben und dadurch natürlich zukünftig hohe Steuern gezahlt werden müssen. Und dem will man vorbeugen. Auch, um das wirtschaftliche Risiko für den Verein zu verringern. Eine ausgegliederte Profi-Abteilung kann Pleite gehen, ohne den Verein in seiner Existenz zu bedrohen. Deshalb streben die Vereine nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten am Kapitalmarkt und haben ein gesteigertes Interesse, sich für Investoren zu öffnen. Warum machen das nicht alle? Verein fürchtet sich vor windigen Investoren, die ihr Geld nur kurzfristig in den Verein pumpen, dann die Lust verlieren, den Rückzug antreten und den Verein mit den gestiegenen Verbindlichkeiten im Stich zu lassen. (siehe 1860 München). Auch wollen sie ihre Tradition nicht verlieren. Und deshalb gibt es aber als Abmilderung solcher Investoren die 50+1 Regelung Damit reiche Privatleute oder Großkonzerne nicht reihenweise hingehen und Bundesligateams aufkaufen, haben DFL und DFB einen Riegel vorgeschoben. Die Mehrheit der Stimmrechte an der ausgegliederten Kapitalgesellschaft muss demnach nach wie vor der Sportverein besitzen. Oder in Aktien ausgedrückt: Dem Verein gehören immer noch 50% der Anteile plus eine Aktie. Daher der Name der sogenannten „50+1"-Regel. Nur in strengen und restriktiv zu handhabenden Fällen sieht die DFB-Satzung einen Ausnahmetatbestand zum Grundsatz der Herrschaft des Vereins vor und zwar, wenn ein Unternehmen oder eine Person den Verein seit mehr als 20 Jahren ununterbrochen und erheblich gefördert hat. (Bayer, Leverkusen, VWL Wolfsburg, TSG Hoffenheim) Interessantes Beispiel RB Leipzig: Da gibt es auch die ausgegliederte RasenBallsport Leipzig GmbH. Aktuell wird das Stammkapital zu 99 Prozent von der Red Bull GmbH und zu einem Prozent vom Verein gehalten. Um die 50+1-Regel zu wahren, muss der Verein aber die Stimmenmehrheit besitzen. Im Verein ist das Problem, dass nur 17 Red-bull-Nahe Mitglieder Stimmrecht haben und andere 300Mitglieder keine Stimme. Somit umgeht man hier ganz klar die 50+1 Regel, aber es wird nix dagegen unternommen. In naher Zukunft wird diese Regel sowieso aufgehoben, da deutsche Vereine international benachteiligt sind. Ich hoffe, das Thema hat Euch ein bisschen gefallen und Ihr habt das Dilemma ein bisschen verstanden. Schön, dass ihr wieder dabei wart. Ich freu mich aufs nächste Video. Bis dahin. Euer Micha